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2009-02-25 BSW-Chronik

TEIL 1

1949 – 2009   @   60 Jahre Eisenbahnerblasorchester Gerstungen

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Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Eisenbahnerblasorchesters Gerstungen findet am Pfingstsonntag, den 31. Mai 2009, im Festzelt „Am Ritter“ in Untersuhl ein festliches Programm mit mehreren Blaskapellen statt.

Hierzu laden wir Sie schon jetzt recht herzlich ein.

Infolge des Jubiläums stellen wir Ihnen nun die geschichtliche Entwicklung unseres Orchesters vor. Als im Jahre 1945 das nationalsozialistische Regime in Deutschland zerschlagen worden war, kam auch das kulturelle Leben in Gerstungen zunächst vollkommen zum Erliegen. Erst 1946/47 fanden sich einige Interessengruppen wieder zusammen, um den Sport und das Chorwesen neu zu beleben. In diesem Zusammenhang erinnerte man sich an die verbliebenen Blasinstrumente des ehemaligen Posaunenchores. Mit dem damaligen Pfarrer Rabe wurde man sich schnell einig, den Posaunenchor neu zu gründen. Um die Verteilung der Instrumente vorzunehmen, trafen sich die zukünftigen Mitglieder im Pfarrhaus. Die Instrumente waren durch das lange Lagern sehr mitgenommen und mussten erst bespielbar gemacht werden. Interesse am Musizieren hatten damals auch viele Jugendliche, wie Egbert Trümper, Werner Schwarz, Werner Steinmetz, Willi Köhler, Ullrich Dorn und Karl-Heinz Trümper. Aber auch ältere erfahrene Musiker, wie Richard Schäfer, Gerhard Rudloff, Karl Köhler und Gustav Trompke gesellten sich ein. Später kamen noch Horst Steinmetz, Rudi Fink und Heinrich Margraf hinzu.

Bei der Verteilung der Instrumente hatte leider niemand Interesse an der großen Tuba (Helikon), daher blieb diese zunächst unbesetzt. Getreu dem Motto „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ blieb dem nachträglich eingetroffenen Karl-Heinz Trümper nichts anderes übrig, als dieses Instrument zu übernehmen. So ist er während seines langen Musikerlebens stets der Tuba treu geblieben.

In den Proben wurden nun fleißig Choräle geübt, aber auch ein Walzer, eine Polka oder ein Marsch sollten zum Repertoire gehören. So traf man sich einmal an der Werrabrücke, um auf der Herdaer Straße die Marschmusik mit dem zugehörigen Marschschritt einzustudieren. Plötzlich tauchte ein Jeep mit russischen Soldaten auf, die „Faschisten, nix marschieren!“ riefen. Wir hatten keine andere Wahl, als wieder in die Klassenräume der Volkschule zurückzukehren und dort zwischen den Schulbänken Marschmusik einzuüben.

Im Jahre 1949 sollte zum ersten Mal der Tag des deutschen Eisenbahners begangen werden. Hierfür wünschte sich der damalige Bahnhofsvorsteher Gerstungens, Herr Hüttner, die Übernahme der musikalischen Ausgestaltung durch den Posaunenchor, in dem einige Eisenbahner mitwirkten. Aus verschiedenen Gründen kam es jedoch nicht zu diesem Einsatz und kurzfristig legte Herr Hüttner die Gründung der Reichsbahnkapelle des Bahnhofs Gerstungen fest. Die erforderlichen Instrumente wurden in Klingenthal bestellt und dort von den Musikern auch persönlich abgeholt. So kam es im Juni 1949 zur Gründung der Eisenbahnerkapelle Bahnhof Gerstungen und zum ersten musikalischen Einsatz am Tag des deutschen Eisenbahners 1949. Aber auch das Musizieren im Posaunenchor wurde danach nicht vernachlässigt und noch viele lange Jahre praktiziert.

Aus der Gründerzeit ist noch heute der Musikfreund Heinrich Margraf tätig. Viele Musiker haben seitdem in der Kapelle mitgewirkt, wie Walter Kaufmann, Hermann Trümper, Ernst Hepp, Werner und Horst Steinmetz, Richard Schäfer, Ernst Schweng, Karl-Heinz Trümper, Werner Schwarz, Willi und Karl Köhler, Egbert Trümper, Gerhardt Richter, Herbert Siefert, Ferdinand Stegmann, Rudi Fink, Friedrich Trostmann, um nur einige zu nennen.

Zu den langjährigen Mitgliedern unseres Orchesters zählen heute:

Stephan Weißenborn 6 Jahre
Horst Möller 7 Jahre
Michael Schmidt 9 Jahre
Gustav Wilhelm 11 Jahre
Kurt Rübsam 14 Jahre
Heinrich Sebastian 15 Jahre
Friedrich Kaiser 24 Jahre
Erik Margraf 26 Jahre
Bernd Göpel 28 Jahre
Frank Fink 30 Jahre
Roland Korngiebel 31 Jahre
Alfred Göpel 36 Jahre
Helmut Göpel 36 Jahre
Rolf Coijanovic 42 Jahre
Hartmut Stunz 44 Jahre
Emil Biehl 52 Jahre
Heinrich Margraf 60 Jahre.


Auf ein kürzeres Mitwirken können die Musiker Frank Vogel (4 Jahre), Erich Margraf und Norbert Schäfer (beide 3 Jahre) zurückschauen. In jüngster Zeit verstärkten uns die Musiker Helmut und Alexander Kröcher, sowie Markus Griebel von den Brandenburg-Musikanten aus Lauchröden. An dieser Stelle möchten wir die Einsatzbereitschaft unseres Musikerfreundes Gustav Wilhelms besonders hervorheben, der nie den langen Weg von Waldkappel zu den Proben und Musikeinsätzen gescheut hat.

In dem langjährigen Bestehen der Kapelle kam es oftmals zum Wechsel der musikalischen Leitung, und es musste auch zwischenzeitlich ohne Dirigenten musiziert werden. Als erster musikalischer Leiter fungierte der ausgebildete Musiker Richard Schäfer, ihm folgten Karl Salzmann aus Eisenach, Erich Hüller aus Herda und der zeitweise in Gerstungen wohnende Hans-Peter Burghardt. Ab 1981 übernahm Fritz Trostmann aus Gospenroda die musikalische Leitung, dem wir in Bezug auf die Qualitätsverbesserung sehr viel zu verdanken haben. Heute hat die musikalische Verantwortung Hartmut Stunz aus Gerstungen inne.

Wie bei so vielen Interessengemeinschaften erlebte auch das Eisenbahnerblasorchester Gerstungen in seinem nunmehr 60-jährigen Bestehen viele Höhen und Tiefen und stand aus verschiedenen Gründen schon mehrfach vor der Auflösung. Aber die gute Kameradschaft und die Arbeit der organisatorischen Leiter trugen unter anderem dazu bei, die Kapelle weiterhin am Leben zu erhalten. In den schwierigen Anfangsjahren übernahm Egbert Trümper als erster Leiter die Geschäfte.

Eine der ersten Aufgaben bestand in der Beschaffung von Noten, indem sie entweder aus alten Beständen entnommen wurden oder neu geschrieben werden mussten. Bei öffentlichen Auftritten musste man zudem aufpassen, dass die zu jener Zeit geringen Notenbestände nicht abhanden kamen. Ein weiteres Hindernis stellten auch die damaligen Transportprobleme dar, so dass in vielen Fällen auf das Fahrrad zurückgegriffen wurde. An Verstärkeranlagen war nicht zu denken gewesen, so dass immer mit voller Puste geblasen werden musste.

Einige der Musiker fanden in dieser Zeit auch beruflich den Weg zur Deutschen Reichsbahn, wie Hermann Trümper, Werner Steinmetz, Rudi Fink und Karl Köhler. Fast zehn Jahre fungierte Egbert Trümper als Leiter der Kapelle, hiernach übernahm Rudi Fink dieses Amt. Leider wurde sein erfolgreiches Wirken durch seinen allzu frühen Tod im Jahre 1986 beendet. Als neuer Leiter übernahm Heinrich Margraf die Regie, die er 18 Jahre ausübte.

Mit dem Jahre 2002 wurde der Generationswechsel vollzogen und Bernd Göpel führt seitdem das Amt des 1. Vorsitzenden aus.

Wenn in den Anfangsjahren die Musikqualität noch nicht herausragend war, so konnte sich das Orchester im Klangniveau in den letzten Jahren doch erheblich steigern. Dies führte dazu, dass die jährlichen Auftritte beständig zunahmen. Circa 80-90 Einsätze im Jahr sind für unser Orchester keine Seltenheit, hinzu kommen noch etwa 35-40 Proben.


TEIL 2

60 Jahre Eisenbahnerblasorchester Gerstungen

Die Anlässe, bei denen die Kapelle
musikalisch auftritt, sind von verschiedenster Art. Daher folgt nun eine

Aufführung derjenigen Ereignisse, die
für die Chronik unseres Orchesters von besonderer Bedeutung sind.

Das Wirken unseres Orchesters im Rahmen der Deutschen Reichsbahn/ Deutschen Bundesbahn


Zum einen absolvierte das Orchester eine Reihe von Auftritten bei der Deutschen Reichsbahn, später bei der Deutschen Bundesbahn. Neben vielen innerbetrieblichen Veranstaltungen im gesamten Reichsbahndirektionsbezirk Erfurt gab es vor allem folgende Höhepunkte:

1.
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Die Veranstaltungen zum Tag des Deutschen Eisenbahners in Gerstungen, Eisenach, Arnstadt, Meiningen und Gotha. Die älteren Bürger der Gemeinde Gerstungen können sich sicher noch erinnern, wenn die Eisenbahner im Festumzug zum damaligen Freibad am Sportplatz marschierten und anschließend ein Volksfest mit Sport und Musik stattfand.

Im folgenden Bild sehen Sie das Eisenbahnerblasorchester beim Festumzug im Jahre 1953.

Für die anschließende musikalische Unterhaltung der Gäste kam man stets in der Betonbaracke zusammen und nebenan ließ Siegfried Kobliha die Kinder am Glücksrad drehen.

Eine Aufnahme aus dem Jahre 1957 zeigt die Eisenbahner Karl Phieler und August Scheuch beim Zuhören der musikalischen Klänge, während Heinrich Margraf nach seinem Einsatz beim Fußball Horst Steinmetz an der Trompete ablöste.

Oftmals gab es Interessierte, die selbst einmal den Taktstock in die Hand nehmen wollten, wie beispielsweise Paul Heß aus Untersuhl, Karl Bleicher und Georg Winter. Auch Wilhelm Trümper versuchte sich als Dirigent, wie auf dem folgenden Bild zu erkennen ist.

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2.
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Von 1953–1960 war unser Orchester fest in das Musikorchester des Reichsbahnensembles Eisenach integriert. Hierdurch erhielten wir die Möglichkeit, nicht nur in der nahen Umgebung, sondern auch in zum Teil weiter entfernten Städten aufzutreten. Einige Stationen waren Eisenach, Erfurt, Halle, Leipzig, Zwickau, Dresden, Frankfurt/Oder, Magdeburg, Kassel und Berlin. Ein besonderes Ereignis war der Gastaufenthalt unseres Ensembles in Schweden, bei welchem wir auf der Rücküberfahrt nach Saßnitz die Jungfernfahrt der Fähre “Saßnitz“ miterlebten.


3.

 

Auch bei typischen Eisenbahnerveranstaltungen griffen die Verantwortlichen gern auf unser Orchester zurück.

Hier einige Beispiele:

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  • 13.04.1962 Inbetriebnahme Neubaustrecke Gerstungen-Förtha mit musikalischer Bekleidung des ersten Zuges
  • 17.09.1983 Jubiläum 125 Jahre Werrabahn Eisenach-Meiningen-Eisfeld
  • 17.05.1987 Jubiläum 100 Jahre WeimarBad Berka-Kranichfeld
  • 13.06.1988 Einweihung des neuen Bahnhofs Neudietendorf
  • 02.10.1989 Eröffnung des Wendebetriebes Wutha-Eisenach-Automobilwerk Eisenach
  • 26.04.1990 Veranstaltung zum Baubeginn auf der alten Werratalbahn Eisenach-Gerstungen
  • 27.05.1990 Empfang des 1. IC-Zuges auf dem ehemaligen Grenzbahnhof Gerstungen

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  • 02.06.1990 Festveranstaltung zur Inbetriebnahme des neuen Opel-Bahnhofs in Eisenach

  • 21.09.1990 Symbolische Weichenumstellung auf dem Bahnhof Wartha durch den damaligen Präsidenten der Volkskammer Lothar de Maiziere

  • 25.05.1991 Wiedereröffnung der Werratalbahn mit Festveranstaltung in Herleshausen

  • 26.09.1992 Inbetriebnahme des zweiten Gleises Eisenach-Gerstungen

  • 28.05.1997 Aufnahme des elektrischen Zugbetriebes Strecke Eisenach-Gerstungen-Bebra mit Bahnhofsfest in Eisenach

  • 21.05.1998 Jubiläum 150 Jahre Walthershäuser Pferdebahn Fröttstädt-Friedrichroda.

  • 25.09.1999 Jubiläen 50 Jahre Eisenbahnerblasorchester Gerstungen und 150 Jahre Werratalbahn mit großen Bahnhofsund Blasmusikfest in Gerstungen.

  • 10.06.2001 Aufnahme des Zugbetriebs auf der Strecke Eisenach-Meiningen-Eisfeld durch die Südthüringenbahn mit Bahnhofsfest in Meiningen

4.

Eine besondere Ehre wurde uns zuteil, als wir vom 26.06.–28.06.1992 zum internationalen FISAC-Musikfest der europäischen Eisenbahnerkapellen mit dem Blasorchester des RAW Zwickau als Vertreter der damaligen Deutschen Reichsbahn nach Freiburg/Breisgau eingeladen wurden. Bei dem Festkonzert in der Stadthalle sowie bei den Platzkonzerten in der Stadt Freiburg spielten wir neben Orchestern, die meist bis zu 100 Musiker umfassten.

Folgende Orchester aus den verschiedensten europäischen Staaten waren beteiligt:

  • Niederlande: Harmonie-Orchester Sporwegen Utrecht
  • Luxemburg: Harmonie-Orchester des Landesverbandes der Eisenbahner Luxemburgs
  • Norwegen: Orchester Jernbaues Musikkorps Trondheim
  • Norwegen: Orchester Jernbaues Musikkorps Hamar
  • Kroatien: Duhacki Orchester KUDZ Ivo Mikac Varazdin
  • Österreich: Bundesbahnmusikkapelle Innsbruck
  • Frankreich: Union Musicale d’ Amberieu
  • Schweiz: Fanfare des Cheminals Neuchatel
  • Finnland: Eisenbahnerkapelle Hyrinkää
  • Ungarn: Blaskapelle der Eisenbahner Musikschule Budapest
  • Belgien: Musique des Chemins de Fer de Namur
  • Deutschland: Bundesbahnblasorchester Wuppertal
  • Blasorchester RAW Zwickau
  • Eisenbahnerblasorchester Gerstungen
Im nächsten Bild sehen Sie unser Orchester in Freiburg/Breisgau.

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5.

Ein weiterer Höhepunkt war die Teilnahme am Bundesmusikfest des Bahn-Sozialwerkes (BSW) mit 15 Blasorchestern aus der gesamten Bundesrepublik in Mannheim. Im großen Festsaal und auf verschiedenen Stellplätzen konnten die einzelnen Orchester ihr Können unter Beweis stellen. Unsere Auftritte waren natürlich gelungen und wurden von den Besuchern mit viel Beifall bedacht, was auch in den Zeitungsartikeln des „Mannheimer Morgen“ vom 17.06. und 18.06.2001 zum Ausdruck kam:

17.06.2001 Selbstverständlich hat die Eisenbahnerkapelle aus Gerstungen auch ein Bergmannslied drauf. Und als gestern eine Gruppe aus dem Saarland im Luisenpark am Freizeithaus vorbeikam, gab Dirigent Hartmut Stunz für die Gäste gleich den richtigen Ton an.

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18.6.2001„Grüß Gott Ihr Freunde aus nah und fern, es ist so schön bei euch zu sein“ sang Heinrich Margraf von der Eisenbahnerblaskapelle Gerstungen in die Herzen der Luisenparkbesucher in Mannheim und bedankte sich mit dieser charmant vorgetragenen Zugabe für den großartigen Applaus des Publikums. Überhaupt zählte die Kapelle mit ihren stimmgewaltigen Gesangseinlagen zu den Sympathieträgern des Bundes-Musikfestes der Eisenbahner in Mannheim.

6.

Weiterhin wurde die musikalische Begleitung von Dampfnostalgiezügen für unser Orchester quasi zur Tradition. Bespannt waren diese Züge meistens durch die Dampflok 41 1144-9 der Interessengemeinschaft Werrabahn Eisenach. Bei der Betriebsübergabe der vollständig restaurierten Lok im Dampflokwerk Meiningen waren auch die Musiker aus Gerstungen dabei und übernahmen die musikalische Umrahmung. Bei den Sonderfahrten mit dem Rodelblitz durch den Thüringer Wald wurde in den Reisezugwagen und auf den Bahnhöfen musiziert, gesungen und getanzt.

Bei einer dieser Fahrten erhielten wir gesangliche Unterstützung durch den ehemaligen Landesbauminister des Freistaates Thüringen Herrn Trautvetter mit dem Rennsteiglied.

In nachdenklicher Erinnerung bleibt uns die musikalische Begleitung der Sonderzugfahrt am 2. März 1996 durch den Thüringer Wald. Dieser Zug war bespannt mit der Blue Lady, der stromlinig verkleideten Dampflok 01 202. Als Lokführer fungierte der leider zu früh verstorbene Gerstunger Dieter Eisenträger.

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7.

Neben unseren zahlreichen Auftritten vergaßen wir auch nie unsere Ehefrauen, die einen wesentlichen Bestandteil unseres musikalischen Wirkens darstellten. Gemeinsam wurden viele Veranstaltungen organisiert, sogar Karnevalsund Erntedankfeste zählen hierzu. Besondere Ereignisse waren für uns die Busreisen, wie in den Schwarzwald, nach Bayern oder Österreich, die stets mit musikalischen Auftritten gepaart waren. Des Öfteren verbrachten wir mit unseren Ehefrauen auch einige Tage in BSW-Ferienhotels und führten dort Musikseminare durch.

Ein Ausflug verlangt in diesem Zusammenhang besondere Erwähnung: Als wir im Jahre 1977 von dem damaligen Minister für Verkehrswesen der Deutschen Reichsbahn, Rudi Arndt, nach Berlin eingeladen wurden, stellte er uns sein Luxusschiff zur Verfügung, so dass wir bestens versorgt und gut gelaunt für einen Tag auf dem Müggelsee schipperten. Die Musik kam dabei nicht zu kurz und wo Menschen an den Ufern feierten, wurde kurz der Anker geworfen und musiziert.

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In ebenso guter Erinnerung wird uns die gemeinsame Reise nach Berlin zum Reichstag mit anschließender Stadtrundfahrt im Jahr 2005 bleiben. Diese Fahrt erfolgte auf Einladung vom MdB Ernst Kranz, wofür wir uns hiermit nochmals bedanken möchten.

8. Einige weitere Auftritte unseres Orchesters möchten wir zumindest stichwortartig erwähnen, wie


  • die regelmäßige Teilnahme am Kulturwettbewerb der Kulturgruppen des ehemaligen Reichsbahndirektionsbezirkes Erfurt,
  • die Eröffnung der Berufsschuljahre in Erfurt,
  • die musikalische Umrahmung der Kongresse des Modelleisenbahner-Verbandes,
  • die Ausgestaltung der Weihnachtsfeiern des BSW,
  • die Teilnahme am Musikfest des BSW in Bad Liebenstein,
  • die Eröffnung der Kunstausstellungen des BSW in Frankfurt/Main und mehrmals auf der EGA in Erfurt,
  • die jährliche musikalische Ausgestaltung des Bahnwandertages in Unkeroda.
9.

Zudem möchten wir an dieser Stelle auch die im Jahre 1989 begonnene Freundschaft mit dem BSW-Blasorchester Bebra betonen. Nicht nur viele gemeinsame Auftritte, Proben und Ausflüge, sondern auch mehrfache gegenseitige Unterstützungen charakterisieren diese Freundschaft.


TEIL 3

60 Jahre Eisenbahnerblasorchester Gerstungen

Das Wirken unseres Orchesters in Gerstungen, im Kreis und im Land


Viele Auftritte absolviert unser Orchester in der Heimatgemeinde Gerstungen und im näheren Umkreis.

Eine Auswahl der mannigfachen Anlässe sei hier aufgeführt:

  • das Musizieren auf den Erntedankfesten,
  • die kirchlichen Veranstaltungen, Trauerfeiern, Konfirmandenjubiläen, Weihnachtskonzerte in der Kirche, Volkstrauertage,
  • das Musizieren unter dem Osterbaum,
  • die Einweihung des Spielplatzes am Tümpel 1971 und des Werrastadions 1987,
  • die Beteiligung an den Blasmusikfesten der befreundeten Kapellen,
  • das Mitwirken an den Karnevalsveranstaltungen,
  • die Konzerte im Altersund Pflegeheim,
  • die Sängerund Fischerfeste,
  • die Brunnenfeste in Gerstungen und Dankmarshausen, die Ziehbrunnenfeste in Neustädt.
  • den Konzerten im Rathausgarten,
  • den Auftritten zum Sommergewinn in Eisenach und vieles mehr

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Auf einige traditionelle Veranstaltungen möchten wir nun etwas näher eingehen:

1.

Besondere Freude bereitete uns das Musizieren zum Tag des Kindes in Gerstungen oder Sallmannshausen. Die Kinder waren begeistert, wenn sie mit bunten Wimpeln und Luftballons durch Gerstungen zogen oder auf dem Pferdewagen von Ernst Koch Platz nehmen konnten.

Von diesen Kindertagen sei hier auf folgende zwei Bilder hingewiesen: Zum einen der Auftritt im Schlosshof mit dem kleinen Musiker Erik Margraf, und zum anderen der Umzug in Gerstungen.

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2.

Während viele Menschen nach einer langen Silvesternacht richtig ausschliefen, machten sich unsere Musiker schon früh auf dem Weg, um das neue Jahr mit einem musikalischen Frühschoppen einzuläuten. Den Neujahrsfrühschoppen führten wir 26 Jahre lang in der ehemaligen Mitropa Gerstungen und nunmehr schon seit 17 Jahren im Gasthaus „Zum Schiff“ in Sallmannshausen durch, der immer gut besucht ist.

3.

Gleich mehrere gesellschaftliche Verpflichtungen nahmen wir stets am 1. Mai wahr, so dass es oftmals fast zu einer Strapaze für die Musiker wurde. Los ging es bereits um 8 Uhr in Eisenach, wo man ewig wartete, bis sich der Umzug in Bewegung setzte. Dann hieß es Vorbeimarsch an der Tribüne, zurück zum „Schwarzen Brunnen“, erneutes Einreihen in den Marschblock und wieder vorbei an der Tribüne. Dieser Ablauf, der auch kontrolliert wurde, wiederholte sich schließlich 3 bis 4 mal.

Anschließend stand der Bahnhof Eisenach auf dem Programm, wo den diensthabenden Eisenbahnern ein Ständchen gebracht wurde.

Danach fuhren wir nach Gerstungen und setzten uns auch dort an die Spitze des Umzuges. Nach Beendigung erholten wir uns kurzzeitig mit einem Getränk, um dann in Neustädt den musikalischen Ausklang vorzunehmen. Zählt man die Auftritte zusammen, kam ein etwa 12 Stunden dauernder musikalischer Einsatz heraus.

4.

Schön waren die musikalischen Umrahmungen zu den Ehrentagen in der Ziegelei und Petkus, bei denen immer viele Ehrenständchen verlangt wurden, wie zum Beispiel „Es löscht das Meer die Sonne aus“ für den Betriebsleiter der Ziegelei Herrn Gärtner.

5.

Traditionell spielten wir an Himmelfahrt immer in Gerstungen, Neustädt oder Sallmannshausen. Der erste Auftritt am 2. April 1990 in der Kohlbach nach der Grenzöffnung stellte hierbei ein historisches Ereignis dar.

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6.

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Mit den Einladungen zu den Thüringen-Tagen wurde uns stets eine besondere Ehre zuteil. Unser Orchester nahm hierbei an den traditionellen Umzügen in Heiligenstadt 1997, Ilmenau 1998 und Sonneberg 2002 teil.
Die Aufnahme zeigt unser Orchester vor dem Heiligenstädter Bahnhof.

7.

Die Erinnerungen an die 1200-Jahrfeier der Gemeinde Gerstungen werden immer schwächer, aber umso frischer sind uns die Veranstaltungen zur 1250-Jahrfeier im Jahre 1994 im Gedächtnis geblieben. An beiden Jubiläen war unser Orchester tatkräftig im Einsatz.

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Auf dem Bild sehen Sie unsere Kapelle 1957 beim Konzert vor dem Rathaus:


Aber auch an anderen Jubiläen nahmen wir teil, so …

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  • an der 1200 Jahrfeier der Stadt Berka/Werra,
  • an der 1200 Jahrfeier der Gemeinde Mihla,
  • an der 850 Jahrfeier der Gemeinde Lauchröden,
  • an der 700 Jahrfeier der Gemeinde Dankmarshausen,
  • an der 850 Jahrfeier der Stadt Heringen,
  • an der 700 Jahrfeier der Gemeinde Obernissa,
  • an der 650 Jahrfeier der Gemeinde Wutha,
  • an der 1125 Jahrfeier der Stadt Schmalkalden,
8.

Oftmals traten wir im Gerstunger Schloss auf Einladung des ersten Beigeordneten Herrn Rösing auf. Beispielsweise weihten wir am 22. September 1996 das Bahn-Museum musikalisch mit ein und spielten ebenso bei dem Jubiläum „70 Jahre Heimatmuseum Gerstungen“ auf.

Beim 100-jährigen Bestehen des Eisenbahnmuseums Nürnberg kam unser Orchester ebenfalls zum Einsatz.

9.

Zur Festigung der Freundschaft zwischen den Partnergemeinden Breitenau/Steiermark und Gerstungen leisteten wir einen wertvollen Beitrag mit Auftritten auf den Weisenbläserfesten, den Harmonikafesten, dem Jubiläum „130 Jahre Musikverein Breitenau“ und „40 Jahre Gasthof Hofbauer“. Umgekehrt zeigten wir auch bei den Besuchen der Breitenauer in Gerstungen unsere Bereitschaft zur musikalischen Umrahmung.

10.

1989 war als das Jahr der Wende für alle Menschen ein emotionales Ereignis. Dementsprechend gab es viele Anlässe, bei denen wir musikalisch mitwirkten, wie …

  • am 03.12.1989 das 1. Weihnachtskonzert in Obersuhl,
  • am 10.12.1089 die Grenzöffnung zwischen Obersuhl und Gerstungen,
  • am 23.12.1989 die Grenzöffnung zwischen Wommen und Neustädt,
  • am 12.04.1990 die Grenzöffnung zwischen Vitzeroda und Heringen.
11.

Nicht nur in Österreich, sondern auch in Gerstungen wurde der Almauftrieb der Weidetiere vorgenommen und so bereicherten wir schon einige Male dieses Ereignis auf dem Borkan musikalisch. Im Übrigen nahm das Eisenbahnerblasorchester bereits bei der Einweihung des Offenstalles im Jahre 1956 schon teil.

12

Einige musikalische Gastspiele gaben wir auch auf der Wartburg. Die Anlässe waren meist Würdigungen von Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens. Präsent waren wir des Weiteren bei der Einweihung des Karolinenparkes in Ruhla.

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dieser Chronik wollten wir Sie über die Geschichte und das Wirken des nun mehr seit 60 Jahren bestehenden BSW Eisenbahnerblasorchesters Gerstungen informieren. Wir hoffen, dass wir Ihnen auf diese Weise nahe bringen konnten, wie die Mitglieder des Orchesters ihr musikalisches Leben gestaltet haben. Unser oberstes Anliegen war und wird es stets sein, den Menschen über die Musik Freude zu bereiten.

Lohnen sie dieses Engagement mit einem Besuch der Veranstaltungen zum 60-jährigen Jubiläum des BSW Eisenbahnerblasorchesters Gerstungen am 31. Mai 2009.

Wir hoffen, dass das Orchester noch lange erhalten bleibt und für viele Menschen, Betriebe, Verwaltungen und Vereine weiterhin ein sicherer Ansprechpartner ist.

Der Vorstand des BSW Eisenbahnerblasorchesters Gerstungen

Internet > www.eisenbahnerblasorchester-gerstungen.de


Die PROBE

Über die Probenarbeit hat unser ehemaliger Musikfreund Horst Steinmetz folgende Verse verfasst:

Die Probe

Will eine Kapelle klangvoll existieren,
muss sie öfters auch probieren.
So wird es auch bei uns gepflegt
und Orchesterproben festgelegt.
Zwar muss man manchmal rätseln wo und wann,
aber schließlich kommt ein Jeder an.
Die Pünktlichkeit könnt besser sein,
doch wer hat nicht auch zu tun daheim.
Wer da ist schon zur rechten Zeit,
hat für ein Bierchen noch Gelegenheit.
Der Probenraum wird dann hergerichtet,
die Tische zur Seite, auf die wir verzichten.
Schnell wird sich begrüßt und dann ausgepackt,
die Sitzordnung ist klar und für jeden Fakt.
Manch einer hat die ersten Sorgen,
es ist ein Notenständer zu besorgen.
Was nun kommt ist kein Ohrenschmaus,
ein Durcheinander von Tönen, welch ein Graus.
Der Ansatz wird getestet munter,
die Tonleiter rauf und wieder runter.
Nun ist es an der Zeit und im rechten Moment
ergreift die Initiative der Dirigent.
Zum Einblasen wird gefordert das „C“,
der eine muss runter, der andere in die Höh.
Es wird dann an den Instrumenten hantiert,
gedrückt, gezogen und wieder probiert.
Inzwischen war auch der Auftrag erteilt:
„Die Noten herbei und verteilt!“
Doch endlich ist man doch soweit,
voller Konzentration und Aufmerksamkeit.
Aufgeschlagen ist die Nummer zehn,
für den Ansatz müsste das schon geh’n.
Die „Eins“ wird vorgezählt vom Dirigent,
doch der Einsatz wird von den Klarinetten verpennt.
Zum zweiten Mal wird die „Eins“ gezählt
und wieder wird der Einsatz verfehlt,
weil im gleichen Moment die Tür aufgeht
und wieder einer kommt zu spät.
„Lasst ihn erst setzen, er macht gleich mit!“
und macht sich für den Einsatz fit.
Zum dritten Mal ertönt jetzt die „Eins“, jetzt muss es klappen
und keiner ließ sich bei einem Fehler ertappen.
Ja, so muss der Einsatz kommen,
es freut sich jeder ganz benommen.
Selbst der Dirigent jetzt strahlt,
Beharrlichkeit macht sich bezahlt.
Das erste Stück wird über die Runden gebracht,
doch im Trio wurden Fehler gemacht.
Der Dirigent schaut ganz verstohlen,
wir werden das Ganze wiederholen.
Die „Eins“ wird vorgezählt sodann,
doch es kommt nicht bei allen an.
Der Einsatz wird abgerissen,
„ob von vorn“ will keiner wissen.
Dem Dirigenten kommt dies unanständig vor,
wie seinen Frauen im Heimatchor.
Aber jetzt geht’s los, die „Eins“ nun kommt,
doch der Einsatz wurde verpasst ganz prompt.
Das „Halt“ von einem wurde überhört,
das Wasser in seinem Instrument ihn stört.
Es warten nun alle ohne zu blasen,
bis er das Wasser abgelassen.
Endlich wird nun voll eingesetzt,
präzise, harmonisch, dass es fetzt.
Der Schlussakkord wurde auch gebracht
und allen hat es Spaß gemacht.
Die Luft und die Spucke sind verbraucht,
jetzt erst was zu Trinken und eine wird geraucht.
Aber nur in der Pause ist es soweit,
dann steht auch ein Kasten Bier bereit.
Es wird noch etwas Neues einstudiert
und mit den Registern durchprobiert.
Die Pause redlich verdient von jedem
wird vom Dirigenten stattgegeben.
Nach kurzer Labe geht die Probe weiter,
mit vollem Ernst, doch immer heiter.
Die „Eins“ wird oftmals vorgezählt,
auch der Einsatz hin und wieder verfehlt.
Es blieb dann auch nicht aus,
dass die mit einer Konfirmandenblase mussten raus.
Ein zünftiger Witz, auch das muntert auf.
Ja, so nimmt die Probe ihren Verlauf.
Doch im Ergebnis kann man sagen:
Die Proben haben zum Können beigetragen.
Sie werden auch geleitet von Könnerhänden,
ein großes Lob für unseren Meister und Dirigenten!



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